Über was hier so alles disskutiert wird
Also ich meines Zeichens bin Student im 10ten Semester, und zahle derzeit keine Studiengebühren. So wie es momentan ausschaut wird sich das auch in Rheinland-Pfalz zum nächsten Jahreswechsel ändern, aber hoffen wir mal, dass es anders kommen wird.
Meines Erachtens wissen hier in der Tat nicht wirklich viele, wie es an deutschen Universitäten aussieht.
Ich nehme mal zur Veranschaulichung die Uni Mainz. Aktuell hat diese Uni ca. 35 000 Studenten. Die eigentliche Kapazität liegt um die 18 000.
Nichts würde näher liegen, als jetzt zu sagen: "Siehste! Viel zu viele, schnell mal Gebühren einführen, dann studiert auch nicht mehr jeder der nix bessres zu tun hat."
ABER! Betrachten wir doch mal unter welchen Bedingungen die 35 000 studieren.
Ich für meinen Teil studiere Rechtswissenschaften und bin damit gezwungenermaßen Teil einer selbsternannten Elite, was zur Folge hat, dass meinem Studiengang mit Abstand der größte Etat zukommt.
Man sollte also meinen ich würde eine gut ausgestattete Bibliothek vorfinden. In der Praxis sieht das dann so aus, dass sich in der vorlesungsfreien Zeit ca 800 Studenten für ihre anstehende Hausarbeit um exakt 3 ! (in Worten: drei!) Exemplare des wohl wichtigsten Zivilrechtskommentares streiten.
Es mangelt an Büchern, es mangelt an Spinden, es mangelt massiv an Raumkapazität, es mangelt an Parkplätzen, eigentlich mangelt es an so ziemlich allem, was zügiges Studium fördert.
Ich sehe das alles recht entspannt, für mich gehört das zum studieren dazu.
Allerdings würde sich meine Einstellung grundlegend ändern, müsste ich Gebühren für mein Studium abdrücken.
In dem Moment in dem ich das erste Mal Geld bezahlen muss, betrete ich die Uni nicht mehr ausschließlich als
Bildungseinrichtung, sondern als
Dienstleister. Und als ein solcher würde zumindest meine Uni kläglich (!) versagen.
Weiterhin frage ich mich was sich hier mancheiner vorstellt, wie die Lebensumstände eines Studenten sind.
Studieren kostet Geld, auch ohne Gebühren, und zwar nicht zu knapp.
Ich zahle ca 170 € pro Semester allein für mein Fahrticket und Verwaltungsgebühren. Ich brauche Bücher, die kosten Geld. Ich zahle Miete. Kindergeld wurde um ein Jahr gekürzt (WM sei dank, in all der Euphorie kann man im Hintergrund prima Kohle machen als Regierung).
Nimmt man mal den Verlust des Kindergeldes und die eventuell anstehend Studiengebühren zusammen, wären das für mich ca 250 € monatlich an Mehrausgaben. Rechnet man da noch Miete drauf hat man vielleicht eher mal ne Ahnung, dass man hier mit nem 400 € Job wohl kaum hinkommen kann.
Soll ich also nebenher mehr arbeiten ? Klar kein Problem, werden es halt noch 2 Semester mehr. Das kann wohl kaum die Lösung sein ?!?!
Sich über Langzeitstudenten echauffieren, und dann die Gebühren so erhöhen, dass man zwangsläufig länger braucht, um sein Studium zu finanzieren. Wahnsinn, wirklich ne super Strategie.
Ich könnte mich jetzt auch noch über die Alternativen, manche nennen es auch Harz IV bzw. ALG II auslassen, die so manch einem blühen würden, wären die Unis nicht so voll.
Es fehlen doch jetzt schon Ausbildungsplätze, wie stellt ihr euch das denn vor, wenn jetzt auch noch XX % weniger Schulabgänger studieren ?
Also bleibt wohl festzuhalten: Erstmal vernünftige Rahmenbedingungen schaffen, dann kann man auch über Gebühren reden. Erstmal vernünftige Alternativen schaffen, dann kann man auch über arbeiten statt studieren reden.
Und sich erstmal einig werden, was man nun will: hochqualifizierte Leute aus dem eigenen Land, oder qweniger Studenten, denn erst dann macht so eine Diskussion überhaupt Sinn.
War jetzt ein wenig viel Text, aber ich kann diese Polemik über die bösen Studenten die nur an der Uni rumhängen weil sie zu faul sind zu arbeiten nur noch schwer ertragen.
In diesem Sinne, schönen Abend noch.