MarionS hat geschrieben:Dorian Gray hat geschrieben:Ich möchte darauf hinweisen, es wurde hier noch nicht erwähnt, daß Samen von alleinstehenden Ginkgos niemals keimen werden, da sie nicht befruchtet sind.
Öh - ich hätte eher gedacht, daß es ohne Befruchtung überhaupt erst keine Samen gibt??
Gut beobachtet, gut gekontert.
Ginkgo biloba ist ein ganz erstaunlicher Baum. Man stelle sich vor, man finde in einem abgelegenen Tal irgendwo in China einen Dinosaurier, einen lebenden Dinosaurier. Was fuer die Zoologie eine kolossale Sensation waere, das war und ist
Ginkgo biloba fuer die Botanik.
Ginkgo ist fossil schon in 290 Millionen Jahren alten Gesteinen nachweisbar, also aus einer Zeit noch weit vor den Dionosauriern!
Die Gattung
Ginkgo war weltweit verbreitet. Man findet Fossilien sowohl in Australien als auch hier in Europa. Alle Arten sind frueher oder spaeter ausgestorben, bis auf eine, die es erstaunlicher Weise bis in unsere Tage geschafft hat. Und das, obwohl sie einige sehr urspruengliche (plesiomorphe) Merkmale aufweist; Merkmale, die im Vergleich zu modernen Pflanzen so vom Nachteil sind, dass man sich ueber das "Nichtaussterben" dieser Art nur wundern kann. Darunter z.B. ihr Befruchtungmodus.
Moderne bedecktsamige Pflanzen habe eine doppelte Befruchtung. Aus dem Pollenschlauch treten zwei Kerne aus, der eine befruchtet die Eizelle, der andere verschmilzt mit der sogenannten Embryosackmutterzelle. Aus dieser Embryosackmutterzelle wird nach der Kernverschmelzung das Endosperm, also das Naehrgewebe fuer den jungen Embryo. Das tolle dabei ist, dass die Pflanze genau weiss, dass wenn die Embryosackmutterzelle "befruchtet" wurde auch die Eizelle befruchtet sein muss. Erst jetzt bildet sich das Endosperm aus.
Diese Art der Rueckkopplung macht es der Pflanze erst moeglich sehr effizient mit ihrer Energie zu haushalten. Samen werden immer nur dann ausgebildet, wenn die Eizelle auch tatsaechlich befruchtet ist.
Anders beim
Ginkgo.
Ginkgo verfuegt nicht ueber eine doppelte sondern nur ueber eine einfache Befruchtung. Es wird nur die Eizelle befruchtet. Mit anderen Worten, die Pflanze muss in jedem Fall zunaechste einmal einen Samen mit Naehrgewebe und allem Drum und Dran ausbilden und kann dann nur hoffen, dass die Eizelle darin auch irgendwann befruchtet wird. Das kann wie gesagt Monate dauern. Oftmals findet die Befruchtung der Eizelle erst statt, wenn der Same / die Frucht schon lange am Boden liegt und vor sich hin stinkt.
Das ist natuerlich ein extremer Nachteil gegenueber modernen Pflanzen. Ein enormer Energieaufwand fuer die Mutterpflanze ohne irgend eine Erfolgsgarantie. Man muss dabei ja im Kopf behalten, dass die Sache mit der Samenausbreitung eh ein windiges Geschaeft ist. Nur eine absolut vernichtend kleine Zahl der produzierten Samen findet ueberhaupt geeignete Keimungs- und Wachstumsbedingungen um sich zu einem neuen Baum zu entwickeln.
Man kann sich ausrechnen, wie drastisch sich diese Chance noch minimiert, wenn noch nicht einmal sichergestellt ist, dass die Eizelle im Samen ueberhaupt befruchtet wurde.
Dass es
Ginkgo also ueberhaupt noch gibt, grenzt so betrachtet schon sehr an ein Wunder.