Desinfektion von Werkzeug - Pilzentfernung

Spezielle Baumpflege z.B. düngen, umtopfen, Erden, ein- und auswintern, Pflanzenschutz
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Spunk
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Desinfektion von Werkzeug - Pilzentfernung

Beitrag von Spunk »

Angeregt durch die Kastanie von Sloe in diesem Klassenzimmer Thread: http://www.bonsai-fachforum.de/viewtopi ... 01&t=24664

Hier mal ein Beitrag über das Arbeiten mit Schneidwerkzeugen in Bezug auf Pilzbefall und allgemeinen Schneidarbeiten an Bonsais.

Viele Bäume (besonders Wacholder) sind anfällig für unterschiedliche Pilze. Wie viele wissen ist der Befall mit Birnengitterrost oft das Todesurteil für einen Wacholder bedeutet, aber nicht jeder Pilzbefall an einem Bonsai muss das aus bedeuten.
Ein sorgfältiges Abtragen des befallenen Astes oder Stammbereich kann dem Pilz den Garaus machen.

Hier ein paar Tipps zum Umgang mit dem Schneid-Werkzeug:

Ein Abflämmen der Oberfläche von Konkavzangen, Messern und anderen Schneidwerkzeugen ist nicht ratsam, da der Stahl durch die Hitze seine Härte verliert und sehr schnell wieder stumpf wird. Bereits ein Erwärmen auf wenige Hundert Grad weicht die Struktur um Stahl so stark auf, dass die Härte verloren geht.

Daher ist es besser die Zangen mit denen man an dicken Wurzeln oder größeren Bereichen am Stamm/dicken Ästen arbeitet vorher/zwischendurch zu desinfizieren.
Gerade das Abkneifen von dicken Wurzeln und anschließender Benutzung desselben Werkzeugs für einen Astschnitt bringt Bodenbakterien und Pilze in den Astbereich welche sich dann durch das Material "arbeiten" und den Verlust von Ästen mitsich bringen.

Wenn man den Pilz aus der Rinde schneidet, sollte man das Werkzeug vor der Benutzung:
  • mit einem Instrumentendesinfektionsmittel (2-5%ige Lösung, z.b. Perfektan) behandeln,
  • oder ein unverdünntes Flächendesinfektionsmittel (Bacillol, BC-DES Schnelldesinfektion) benutzen.
Reiner Alkohol (Ethyalkohol, Spiritus) hat keine Sporentötende (sporozide) Wirkung, und greift evtl. vorhandene Sporen im/am Pilzmaterial nicht an.
Besonders wenn der Pilz bereits fast ganz abgetragen ist, sollte man bei jedem Schnitt der dem nichtbefallenen Bereich näher kommt, die Schneidflächen der Zange/Messer mit einem frischen, Desinfektionsmittel getränkten Küchen-Krepp abreiben, um gesunde Bereiche des Baums nicht mit Sporen neu zu infizieren.

Das Auftragen von Jin-Mittel mit einem Pinsel kann die ganze Schnittfläche auch zuverlässig säubern. Dies ist auch mit Desinfektionsmittel möglich und das Mittel verdunstet in wenigen Minuten.

Da die Benutzung von Wundverschlussmitteln immer im Einzelfall zu beurteilen ist kann ich hier keine Allgemeine Empfehlungen abgeben.

Gewisse Grundsätze sind aber bei Schneidarbeiten immer im Auge zu behalten:
  • Umfangreiche Schnitte (>4cm) sind wegen der großen Fläche anfälliger für Krankheiten als kleine Schnitte
  • Nadelbäume verschließen Wunden mit Harz, hier ist i.d. Regel keine Wundverschluss nötig
  • Wundverschluss geschickt angebracht kann verhindern dass sich am unteren Schnittbereich Regenwasser sammelt welches nicht abfließt
  • Wundverschlussknete hat den Vorteil formbar zu sein, man kann evtl. den Bereich noch nach Monaten der Wunde anpassen und andrücken
  • Wenn möglich Schnitte so ausführen dass keine Taschen entstehen, und Wasser immer gut abfließen kann. siehe angehängtes Bild
gruss
Spunk
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Vergleich - Konkavschnitt mit/ohne "Tasche"
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Gruß
Oliver
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holgerb
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Re: Desinfektion von Werkzeug - Pilzentfernung

Beitrag von holgerb »

Hallo Spunk,

jetzt sitze ich hier, schon mindestens eine halbe Stunde und sinniere über einen Kommentar, eine andere Sichtweise, eine Ergänzung.....
Der Grund ist, daß meine Sichtweise so contraire ist, daß sie (und viele wissen das und ziehen gerade die Köpfe ein) eine Grundsatzdiskussion auslösen wird, eben weil ich das anders sehe.

Ich könnte ganz provokant schreiben: ist alles nicht nötig, weil sinnlos, aber dann würde es hier böse Kommentare hageln und wir würden einen Grabenkrieg entfachen.
Mache ich mir aber jetzt die Mühe und versuche richtigherum aufzuzäumen, alles haarklein und detailiert zu Tage zu tragen, habe ich heute Nachmittag jemand böses neben mir stehen, die mich fragt, was ich heute eigentlich gemacht habe.....Und "Erkenntnis in die dunkle Welt gebracht" zieht da nicht wirklich... also, ich hadere noch, vielleicht finde ich die passenden Worte...
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holgerb
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Re: Desinfektion von Werkzeug - Pilzentfernung

Beitrag von holgerb »

Na, ich fange doch mal ganz vorne an:

Warum wird ein Baum "krank" und ein anderer nicht?

-Wir sind uns einig, daß ein Baum einen Abwehrmechanismus haben muss, ansonsten würde jeder Baum innerhalb kürzester Zeit befallen, und von den diversen holzerstörenden Lebewesen zerlegt und zu "Asche" verwandelt.

- Dieser Abwehrmechnismus (wie jeder andere Prozess in einem Lebewesen) erfordert Energie....

- je höher Energiereserven, desto besser kann Abwehr durchgeführt werden

- Unterschied Tier - Baum: ein Baum kann vor Feinden nicht weglaufen, klingt banal, hat aber folgende Konsequenz:

* er kann vor größeren Feinden nicht davonlaufen (z.B. die Sau, die sich daran reibt, oder Fraßschäden)
*durch seine Ortsgebundenheit muss er aus einem material bestehen, daß sehr stabil ist, wir nennen das Holz
*es sind nicht die großen, sondern die winzig kleinen Feinde, die einem Baum zu schaffen machen können, weil sie ihm die Stabilität rauben

In meinen Augen ist es deshalb wichtig zu wissen, wie die Schädlinge funktionieren, wie sie arbeiten und wann es problematisch wird und welche vorbeugenden Maßnahmen ich ergreifen kann.

1. Bakterien, Viren und Pilzsporen sind so mannigfaltig und zahlreich in Luft, Boden und am Baum vorhanden, daß ein wirksamer Schutz von Aussen nur unter Laborbedingungen zu erreichen wäre.
2. Es ist nicht ein Schädling, sondern es ist die Abfolge von mehreren Schädlingen, die das Holz zerstören, die abfolge der Schädlinge nennt man Sukzession...
3. Zurück zum gesunden und kranken Baum. Es muss einen Unterschied geben, Pflanzen haben so viele Eingangspforten und dennoch wird ein Baum befallen, der andere nicht.

Ich gehe mal mit Verlaub auf das Beispiel der Kastanie zurück.

Bild

Wilma schreibt, daß der rückwertige Ast abgestorben sei.
Einige Zeit später hat sich dann (offensichtlich) Rotpustel an den Ast gesetzt.
Bei mir hatte sich unbemerkt dieser fiese Pilz eingeschlichen.
Neee, einige Zeit später ist falsch formuliert, man sieht es erst einige Zeit später.
auf jeden fall hat es für sie nötig gemacht, ordentlich tief in den stamm zu fräsen, um den Pilz herauszubekommen, hat aber damit wiederum eine riesige offene Stelle geschaffen. Es ist nun unumgänglich, den Baum optimal mit Nährstoffenz zu versorgen, sonst wird sie wieder das gleiche Problem haben.

Ich halte es für einen großen Fehler (sorry, meine das nicht persönlich), dick mit der Fräse ins gesunde Holz zu schneiden, weil damit auch die Schutzbarriere, die der Baum gebildet hat, durchbrochen wird.
Was wäre aber sinnvoller gewesen?

Ein toter Ast ist tot. Wenn er nicht als Jin präpariert wird gehört er abgeschnitten und zwar schleunigst, um gar nicht erst Nistplätze für Schädlinge zu schaffen. Und zwar ohne Stummel stehen zu lassen, aber auch nicht tief ins "nächste Holz" (Stichwort Astkragen, bzw Nodien)
Es scheint, als könne man durch die Präparierung als Jin die Sukzession unterbrechen, sodaß der Ast nicht oder nicht so schnell angegriffen wird. Aber das nur am Rande.

Die meisten der Parasiten sind Schwächeparasiten, befallen also Pflanzen, deren Abwehrmechanismus durch mangelnde Energie geschwächt ist.
=> ergibt sich wiedereinmal die Notwendigkeit einer optimalen Pflanzenversorgung, der richtigen Schnittqualität, um nicht Abwehrmechnismen zu zerstören.

Vorbeugen ist in meinen Augen definitiv der bessere Weg, es spart Geld und die Desinfektion kann ich mir sparen, zumal die Schnittwunden eh länger offen bleiben, als ein Desinfektionsmittel wirken kann.

Den Punkt Wundverschluss lasse ich bewusst jetzt aussen vor, sonst sitze ich wirklich noch heute Mittag hier. Aber wer möchte benutze die Sufu, der findet garantiert was...


Ich will damit gar nicht mutmaßen, daß die Desinfektionsmethode nicht eine gewisse Wirkung hat, aber die frage ist, ob sie wirklich notwendig ist?
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Robert S.
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Re: Desinfektion von Werkzeug - Pilzentfernung

Beitrag von Robert S. »

holgerb hat geschrieben: Den Punkt Wundverschluss lasse ich bewusst jetzt aussen vor, sonst sitze ich wirklich noch heute Mittag hier. Aber wer möchte benutze die Sufu, der findet garantiert was...
jepp,
z.B hier

auch interessant zu diesem Thema aus dem Fachwissen

Servus,
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holgerb
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Re: Desinfektion von Werkzeug - Pilzentfernung

Beitrag von holgerb »

vergessen:

äusserst wichtig: der richtige Schnittzeitpunkt, nämlich dann, wenn der Baum Energie assimilieren kann...
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zopf
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Re: Desinfektion von Werkzeug - Pilzentfernung

Beitrag von zopf »

Hallo Holger
Ganz unabhängig von Schnittführung, Schnittzeitpunkt, Wundverschluss und anderem
finde ich es gut das Thema Desinfektion etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.
Ob jetzt jemand desinfiziert oder nicht,
demjenigen der desinfizieren möchte werden aber weiterführende Punkte genannt.
Es gibt wohl immer und überall Punkte für und gegen etwas.
Solange immer wieder neuere und bessere Informationen in´s Forum gesetzt werden,
kann man seine bisherige Vorgehensweise überdenken und dementsprechend handeln.
mfG Dieter
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holgerb
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Re: Desinfektion von Werkzeug - Pilzentfernung

Beitrag von holgerb »

Dieter,
zopf hat geschrieben:Solange immer wieder neuere und bessere Informationen in´s Forum gesetzt werden,
kann man seine bisherige Vorgehensweise überdenken und dementsprechend handeln.

deswegen habe ich dazu was geschrieben..
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achim73
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Re: Desinfektion von Werkzeug - Pilzentfernung

Beitrag von achim73 »

das mit der schwäche habe ich in diesem jahr sehr eindrucksvoll an einem beispiel demonstriert bekommen:
im herbst gab es einige warme, windige tage. aufgrund der schon fortgeschrittenen jahreszeit habe ich mir keine gedanken gemacht und zack! - hatte ich an einigen kleineren pflanzen ballentrockenheit. das interessante aber war, dass ich an genau diesen pflanzen urplötzlich - wirklich praktisch aus dem nichts - ende september eine invasion, wirklich massenhaften befall von winzig kleinen, weissen blattläusen hatte. ähnliches ist mir auch schon mit wolläusen an vorgeschädigten buchen und hainbuchen aufgefallen.
und bei mikroorganismen ist es natürlich genau so.
das vorgehen bei der kastanie hat mich ein bisschen an die wundbehandlung in der "guten alten zeit" erinnert, als wunden, in der absicht, sie zu desinfizieren, mit heissen eisen u.ä. ausgebrannt wurden. mit der folge, dass man an der stelle eine riesige, offene brandwunde hatte...die folgen kann man sich vorstellen.

wenn ein so grosser ast bei mir abgestorben wäre, hätte ich mir als allererstes den wurzelballen angeschaut. nach meiner (sehr begrenzten) erfahrung sind wirklich die allermeisten oberirdischen probleme, zumindest indirekt, auf probleme im wurzelbereich zurückzuführen.

das argument gegen desinfektion der wunden bei pflanzen kann ich aus dem grund des viel langsameren wundverschlusses als bei menschen und tieren nachvollziehen.

allerdings könnte ich mir vorstellen, dass eine desinfektion des schneidwerkzeugs tatsächlich sinnvoll ist, da hier beim schneiden evtl. keime und sporen mit hohem druck ins gewebe "injiziert" werden. das iast aber nur eine theorie von mir.
Gruss, Achim
"Der kürzeste Weg zum Glück ist der Weg in den Garten"
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zopf
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Re: Desinfektion von Werkzeug - Pilzentfernung

Beitrag von zopf »

Jetzt würde mich aber mal interessieren inwieweit die verschiedenen "Teile" eines Pilzes
schädlich, reduzierbar und bekämpfbar sein.
Nehmen wir nur das Mycel (den Vegetationskörper) und die Sporen ( die Vermehrungskörper)
Was ist infektiös ?
Wie vermehrt/wächst ein Pilz ?
Was können wir abtöten ?
Womit können wir abtöten ?
Was soll dieser dumme Begriff Befallsdruck ?
Wie können wir schützen ?
Ab welchem pH-Wert wird´s für Pilze unangenehm ?
Welche Temperatur tötet Sporen ab ?
Bei welcher Temperatur wird Stahl weicher ?
Wie arbeitet ein Autoklav ?
mfG Dieter
grüsse an die bewohner von melmac
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holgerb
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Re: Desinfektion von Werkzeug - Pilzentfernung

Beitrag von holgerb »

Hallo Dieter,

ich versuch mal ein paar Antworten....un dbleiben erstmal bei Mycel und Sporen

Was ist infektiös?

Nun ja, es ist wohl richtig, daß sowohl Sporen als auch das Mycel infektiös sein können.

Der Unterschied: Sporen sind fast immer in der Luft (je nachdem wie und wann die Sporenausbildung stattfindet), aber für die Allgemeinheit der PIlze gilt: irgendwelche Sporen sind immer da... Das Mycel müsste mechanisch aufgebracht werden. So weit so gut und in soweit ist eine Desinfektion berechtigt...
Aber, was ich mit dem Wort Sukzession klarmachen wollte ist, daß nicht zu jedem Zeitpunkt des Holzabbaus ein Pilz eine Wunde befallen kann... Nichtmal die Abfolge der Schädlinge ist immer gleich. Ein willkürliches Beispiel:

Mensch A schneidet eine Wunde an einen Baum.

Die Wunde wird befallen (immer!), in diesem Falle von Bakterikum B. Es verändert das Holz... und schafft die Vorraussetzung für:

Pilz C, der das Holz weiter abbaut.... während der Baum schon zum Zeitpunkt des Schnitts seine Abwehr anwirft und geeignete Maßnahmen ergreift.

Die Abfolge und Menge der Schädlinge variiert, auch abhängig von der Holzart usw....

Deshalb würde ich es eher als Zufall bezeichnen, wenn ein aufgestrichenes Mycel direkt eine Krankheit auslöst. Pilze sind Lebewesen und sehr spezialisiert auf ihre Bedingungen.
Weshalb kaum ein Wurzelpilz in der Krone Schaden anrichtet. Das funktioniert einfach nicht. Die Bedingungen stimmen nicht.

Wie vermehrt / wächst ein Pilz?
Hier steht das ganz gut

Dazu von mir noch das angesprochene Beispiel mit den Rotpusteln:
Rotpusteln können nur totes Holzgewebe befallen, d.h. an frischen Schnitten in lebendiges Holz besteht für den Pilz überhaupt keine Möglichkeit zu landen, ob Sporen oder Mycel. Es bedarf solcher "Kleiderhaken", wie Wilma sie an ihrer Kastanie gelassen hat... der Pilz ernährt sich dann von dem toten Holzgewebe und verändert es (es zerfällt ja nicht direkt zu Asche), irgendwann wäre ja Ende, weshalb der Pilz mit seinen Hyphen Leitungsbahnen verstopft und somit dafür sorgt, daß weiteres Gewebe abstirbt.
Ein Baum schützt sich davor, indem er die befallene Stelle so abschottet, daß die Hyphen nicht in die Leitungsbahnen dringen können.

Was können wir abtöten?

Die Frage ist schon fast philosophisch, mag ich doch darauf antworten, daß der Mensch im Prinzip in der Lage ist, alles abzutöten.
Aber wir waren ja bei Bonsai und Pilzen. Ja, das Mycel ließe sich durch Erhitzen oder Desinfektionsmittel vernichten. Die Frage ist, ob das nötig ist.
Die Sporen lassen sich wohl kaum sinnvoll bekämpfen.

Das "Womit können wir abtöten" ist eng verbunden mit dem "Wo wollen wir abtöten" und dementsprechend sind Maßnahmen zu ergreifen...

Wie können wir schützen?

Das habe ich bereits in meinem Eingangsbeitrag versucht zu erklären....

Die Frage nach dem pH hat einiges Schmunzeln in mir ausgelöst, weil die Suchanfrage pH und Pilz bei Google Ergebnisse aus der Gynäkologie zu Tage trägt.... da sind wir ja irgendwie nicht
zum pH-Wert habe ich wenig gefunden, bei der Pilzzucht/Fruchtung wird allerdings ein pH zwischen 7und 8 angestrebt.

Welche Temperatur tötet Sporen ab?

Auch diese Frage ist nicht so ganz leicht zu beantworten, ich denke daß ist auch je nach Sporenform unterschiedlich.... Eiweiß denaturiert bei 45°C, also heisse Flamme über die Wunde sollte reichen.

Für die Sache mit dem Stahl habe ich etwas länger gebraucht, bis ich das kapiert habe, aber auch da hab ich was gefunden:

http://de.wikipedia.org/wiki/Weichgl%C3%BChen

und auch Autoklav findet man bei Wikipedia..... :wink:
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zopf
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Re: Desinfektion von Werkzeug - Pilzentfernung

Beitrag von zopf »

Hallo Holger
Wenn wir dann erst mal nur Mycel und Sporen nehmen.
Sporen sind überall - wir können keinen Sporenanflug verhindern
sondern können nur die Keimung erschweren und
die mögliche Angriffsfläche reduzieren.
Zur Keimhinderung ist Jinmittel (Kalkschwefel) recht gut geeignet,
da Kalk wohl im Bereich 12 liegt und Schwefel auch keine schlechte Waffe ist.
Wundverschluss lassen wir besser ganz ausser acht,
da sind uns Unsere Meinungen bekannt.
Ein anderer wichtiger Punkt ist ausser dem Zeitpunkt
auch die Schnittführung, je schneller sie Wunde heilt,
je geringer ist die Möglichkeit der Neuinfektion.
Beim Mycel ergibt sich die Möglichkeit die an der Zange/Schere
anhaftenden Hyphenteile durch Desinfektion abzutöten
um eine Neuinfektion der Schnittfläche zu verhindern.
Wenn dazu noch in mehereren Schritten geschnitten wird
kann man das Restrisiko minimieren.
mfG Dieter

ps So erarbeiten wir uns Stück für Stück
einen Laboratoriums-Papier-Bonsai.
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avicenna
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Re: Desinfektion von Werkzeug - Pilzentfernung

Beitrag von avicenna »

Also Holger, ich muss dir einmal ein ganz großes Lob aussprechen. Du beantwortest hier diesen Problemkomplex mit Brillianz ... ganz große Klasse !!!


( ich habe von Chris P. die Literatur von Shigo bekommen, einem Baumpflegepapst und der beschreibt ganz detailiert, wie und wann man Schnitte an Bäumen vornehmen sollte um möglichst wenig Schadräume und Flächen zu schaffen und nennt auch wie du den Zeitpunkt des Schnittes so, daß der Baum im optimalen Versorgungsstatus stehen sollte, also am Besten wenn er belaubt ist und viel Energie zur Verfügung hat. Die Schnitte sollten nie stammparallel verlaufen und man sollte dem Baum das Umwallen an ! einem Stumpfrest erlauben. Die Kompartimentzonen mit denen der Baum die eigene Abwehr vollzieht, befinden sich in direkter Nähe des abgeschnittenen Asts und sollten beim Schnitt nicht beschädigt werden. Der abgeschnittene Aststumpf ist tot und der Rückzug der Leitungsbahnen, d.h. der abgestorbene Teil zieht sich dann bis in den Stamm zurück. Das Kallusgewebe, das Narbenholz, Neuholz, Wundholz oder wie auch immer man es nennen will, umschließt dann bei optimalem Wachstum diesen Totholzbereich . In Stammquerschnitten kann man solche Einschlüsse dann sehen.
saludos
avicenna
Zuletzt geändert von avicenna am 03.12.2010, 12:21, insgesamt 4-mal geändert.
Jan-Ph.
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Re: Desinfektion von Werkzeug - Pilzentfernung

Beitrag von Jan-Ph. »

Zum Weichglühen von Stählen sei noch ergänzend angemerkt, dass es darauf ankommt, wie stark
der Stahl vorher bearbeitet, explizit kaltverformt, wurde. Je stärker, umso größer ist der Effekt
der Rekristallisation, bzw. vice versa. Die Temperatur liegt je nach Stahl (abh. vom Kohlenstoffanteil)
bei 500-700°C. Des Weiteren muss der Stahl auf dieser Temperatur über einen längeren Zeitpunkt
gehalten werden und anschließend langsam abkühlen.
Für eine Konkav-Zange, bzw. auch andere Zangen heißt das nun für mich folgendes:
Die Zange wurde geschmiedet, d.h. erst warmverformt und anschließend kaltverformt.
Darauf hin wurden die Klingen, denke ich zumindest, erwärmt und anschließend durch rasches
Abkühlen gehärtet. Dies setzt voraus, dass ein gewisser Anteil an Kohlenstoff in den Kristallen
enthalten sein muss.
Für mich würde dies bedeuten, dass das Weichglühen einen Effekt auf die Härte einer Zange haben kann.
Hierzu müsste die Zange aber über einen längeren Zeitraum, ich schätze mal so 30 Minuten,
auf ca. 600°C erhitzt werden. Dies ließe sich theoretisch (praktisch definitiv nicht) mit einer
Kerzenflamme (Temperatur an der heißesten Stelle maximal ~1400°C) erreichen, mit einer Gasflamme
schon eher.
Wenn man aber nur, was ich eher denke, die Zange kurz abflammt, was zum Töten des Mycels reichen sollte,
dürfte dies m.E. keinen Effekt auf die Härte des Stahls haben.

Ich hoffe ich habe niemanden gelangweilt, wenn ich etwas noch näher erläutern soll, fragt einfach.
Bitte verbessert mich, wenn ich etwas falsches von mir geheben habe.

Gruß

Jan
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Re: Desinfektion von Werkzeug - Pilzentfernung

Beitrag von holgerb »

zopf hat geschrieben:Ein anderer wichtiger Punkt ist ausser dem Zeitpunkt
auch die Schnittführung, je schneller sie Wunde heilt,
je geringer ist die Möglichkeit der Neuinfektion.
Dieter,

und genau da scheiden sich die Geister.

Was ist schnelle Heilung bei einem Baum?

Wenn die Wunde von aussen zu ist?

Ein Baum kann eine Wunde nicht heilen, er kann sie lediglich abschotten, so wie Dietmar es geschrieben hat und von aussen überwallen. Die Überwallung der Wunde hat nichts, aber auch rein gar nichts mit der Gesundheit des Baumes zu tun.
Es ist eben nicht richtig, daß je schneller die Wunde zuwächst, desto schneller eine "Genesung" eintritt. Das würde ja bedeuten, daß eine glatt am Stamm abgeschnittene Wunde (nach Bonsaikunst tropfenförmig) die beste für den Baum sei.
Tatsache ist aber, daß diese stammparallelen Schnitte bzw. die Schnitte ins Stammholz (weswegen ich Konkavzangen meide) die direkt am Astansatz befindliche Abwehr entfernt und somit nicht Astgewebe, sondern Stammgewebe befallen wird.
Warum?
Ast- und Stammgewebe sind nicht strukturell miteinander verbunden, sondern das Stammgewebe wächst quasi um den Ast herum. Ein Austausch von Wasser und Nährstoffen bzw. Assimilaten ist natürlich gegeben. Wird ein Ast nun verwundet, bildet der Baum genau an der Grenze Ast-/Stammgewebe eine Barriere, die nahezu undurchdringlich ist.
Sehr anschaulich kann man das an Kiefernholz beobachten. Die schwarzen Äste kann man oftmals aus dem Holz herausbrechen, danach erkennt man immer noch einen schwarzen Rand, das Stammgewebe allerdings ist vollkomen unverändert. Dieser schwarze Rand ist die Schutzbarriere, die der Baum gebildet hat.
Schneide ich nun das komplette Astgewebe weg, so erfolgt die Infektion im Stammgewebe und kann sich viel weiter ausbreiten, weil die Verteidigung woanders liegt.

Aus bonsai-ästhetischen Gründen ist aber nunmal ein solcher Schnitt nötig (für die Mehrheit jedenfalls), um glatte Stämme zu erzeugen.... Auch hier sollte man den Baum gewähren und vor allem Zeit zur Barrierenbildung geben, die natürlich wesentlich länger dauert und aufwendiger ist (zumal die Barrierenbildung in den verschiedenen dreidimensionalen Richtungen verschieden stark ausgeprägt ist: in Richtung neues Holz am stärksten, in Längsachsenrichtung des Stammes am schwächsten, weswegen viele alte Bäume innen hohl sind.). Das macht aber nix, solange man dem Baum genügend Zeit gibt und weiß was man da getan hat.

Nicht die schneller verschlossene Wunde ist die bessere, sondern die, die die Abwehr des Baumes wirken lässt.

Denn auch eine verschlossene Wunde ist nichts anderes als eine Tasche, in der die bereits vorhandenen Quälgeister ihr Unwesen treiben können.
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Re: Desinfektion von Werkzeug - Pilzentfernung

Beitrag von zopf »

Hallo Holger
Aus Baumphysiologischer Sicht hast Du vollkommen recht,
aber wir schneiden ja nicht auf Astkragen, sondern wollen ja den "glatten" Stamm.
Und dort halte ich den schnelleren Verschluss für den besten Kompromiss
um halt die Eintrittspforte zu verschliessen.
Irgendwo kommen wir da zum Ideal der Sämlingsaufzucht
um den makellosen, wundenlosen Stamm zu haben.
mfG Dieter

http://www.puyallup.wsu.edu/~Linda%20Ch ... 0tools.pdf
grüsse an die bewohner von melmac
Antworten