Na, na - so verärgert war ich dann auch wieder nicht. Dazu bin ich es vielleicht schon zu sehr gewohnt...
Zur Mentorerei: Den Orden habe ich gekriegt - nicht gekauft, nicht gemacht und nicht erschlichen. Dazu kann ich also nur sagen, was die Jelinek zu ihrem Literatur-Nobelpreis gesagt hat: «Ich kann doch nichts dafür! Man hat mir diesen Preis verliehen, ich hab ihn ja gar nicht gewollt!» Ist ja auch nicht so, dass das «was wäre». Allen wieder mal zur Erinnerung: Ein Mentor ist kein Moderator. In der Sache lasse ich mich jederzeit belehren, aber die Bäumchen werden natürlich nicht gesund davon, dass man mich als Person angreift. Bleiben wir darum bei den Bäumchen.
Das mit der Luftfeuchtigkeit ist hoffentlich abgehakt. Es ist sehr verständlich, dass dieser Irrtum mit den nassen Schälchen sich beharrlich hält, es scheint ja plausibel. Ich habe das durchaus auch mal geglaubt. Aber Anja M. hat es vorgerechnet, ich habe es nachgemessen - es stimmt nicht. Es ist sogar ein gewisses Risiko dabei, denn so eine warmnasse Schale ist eine prima Pilzzuchtanlage, besonders, wenn man unglasierte Schalen drin hat. Das gibt dann die bekannten weissen Schimmelflecken. Das Herumnebeln mit dem Zerstäuber habe ich auch aufgegeben. Ich war die schmierigen Fensterscheiben und die schwarzen Stellen auf der Fensterbank leid und habe so entdeckt, dass es - nichts ausmacht.
So. Jetzt ist dem Mic noch nicht ganz geholfen (darum die erneute Mentorisierung meinerseits...

). Sicher richtig ist, was über das Licht geschrieben wurde. Das ist die Hauptsache und davon sollte soviel wie möglich sein. Ideal wäre ein Erker, der nach Süden zeigt und von Sonnenaufgang bis -Untergang beschienen wird. Das ist dann für einen Ficus immerhin ein kurzer, düsterer Tropentag - nie vergessen, unsere Wintersonne ist ein karges Lämpchen, verglichen mit Bali oder Südchina.
Das Zweitwichtigste: Nicht in Panik ausbrechen, wenn ein paar Blätter abgehen. Das ist der Preis dafür, dass man sich Pflanzen hält, die nunmal eigentlich nicht hierher gehören. Besonders wichtig ist das bei Fici, die man eben gerade erstanden hat, denn meist wurden die vorher zwar in Massen, aber viel besser gepflegt, als wir das anbieten können - feuchte Triebhäuser mit viel Pflanzenlampen.
Der beste Tipp scheint mir immer noch der, Tropenbäumchen (bei Sagerezien ud Carmönchen hat man ja oft den gleichen Ärger) im Frühjahr anzuschaffen, wenn man sie gleich rausstellen kann. Dann werden die im Spätsommer offensichtlich schrittweise an unsere Verhältnisse gwöhnt und haben nicht den «Wechselschock», weil sie aus dem erwähnten prima Treibhaus in die knochentrockene, relativ dunkle Wohnung kommen.
Dass frisch gekaufte Bäumchen meist «umgesetzt» werden müssen, weil sie komplett durchgewurzelt sind, hatten wir auch schon, aber ich erwähne es zur Sicherheit nochmal - kann das Substrat kein Wasser speichern (weil es gar nicht mehr da ist...), ist natürlich auch nicht viel los im Wasserhaushalt...
Tja, und last, but not least: Man sollte jeden Ficus, der krepiert, durch eine Linde, eine schöne Kiefer oder sonstwas ersetzen, das sich besser hält in unseren Breiten. Aber die Indoor-Outdoor-Diskussion reissen wir hier jetzt nicht wieder an, ok?
Fazit: Mic, pfleg deinen Ficus, wie es im Buch steht und hier auch. Schön ruhig und ohne dich jeden tag zu fragen, was du noch tun könntest. Mehr kannst du nämlich nicht tun (ausser ein Treibhaus zu bauen, was ich angesichts der Energiediskussionen z.B. aber ziemlich blöd finde für einen Privatmann mit ein paar Bäumchen). Will er nicht, dann will er nicht. Das gehört leider auch dazu.