European Bonsai San Show 2019

Ausstellungen, Workshops, Arbeitskreise, Events u. -Organisationen, Reisen, Besuchen in Bonsai-Gärten und Töpferstuben.
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hwolf
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Re: European Bonsai San Show 2019

Beitrag von hwolf »

Moin,

eigentlich wollte ich nichts schreiben. Dann okay doch ein bisschen, mal kurz. Hm.
Das folgende ist keine Meldung aus dem Elfenbeinturm, sondern nüchternes Ordnen der Dinge, gemischt mit meiner Meinung, hier und da. Wer sich daran stört, den bitte ich darum, sich selbst zu adressieren.
Zusammenfassung: Wir sind alle ahnungslos und sollten die Fresse halten. Aber genau das sollten wir nicht. Unsere Inkompenz schenkt uns die Freiheit, produktiv zu sein. Diese Freiheit ist gefährlich. Was uns fehlt, ist Demut. Die Welt ist schön.

...
nur mal ein paar kurze Randnoten eines Kunst- und Kulturtheoretikers (der übrigens mit einer Juristin durchs Leben geht):
- ein juristischer Kunstbegriff mit allen seinen Ableitungen taugt nicht zur Verortung von Kunst, weil der Begriff je nach Notwendigkeit neu gebildet wird. Er richtet sich nach individuell anliegenden, möglichen juristischen Ansprüchen. Wenn diese nicht geäußert werden, gibt es aus juristischer Sicht keinen Grund, ein Artefakt oder eine Handlung nicht als Kunst zu begreifen. Ludwigs SS-Bonsai auf Spitze wäre demnach genau dann Kunst, wenn sich niemand daran störte und die Bullen riefe. Also braucht man auch nicht mit einem solchen Begriff argumentieren, weil das kindischer Unfug ist.
- Zivilisation als Summe von täglichen Bemühungen klingt gut. Zivilisation gilt als der ethisch motivierte Anteil einer gesellschaftlichen Kultur und ist damit freiwillig. Das ist gut so, damit es einer Gesellschaft möglich ist, zivilisatorische Deutungsmuster zu durchbrechen. Unter anderem bedeutet das, dass Kunst außerhalb von Zivilisation stattfindet - sie ist nicht daran gebunden.
- für die reale Frage nach dem künstlerischen Wert einer Artikulation ist es also egal, ob sich jemand daran stört oder stören könnte, genau so, wie es egal ist, ob sie jemandem gefällt oder nicht. Die einzige Frage, die sich stellt, ist die der Relevanz. An dieser Stelle kommt die Philosophie, Kunstgeschichte und Kunsttheorie ins Spiel, der man diese Entscheidung wirklich überlassen sollte. Warum?
- Jedes Mal, wenn im BFF die Frage danach, ob etwas Kunst sei, aufkommt, werden die verschiedensten Theorien und Geschmacksbekundungen geäußert. Es zerschlägt sich in das zynische und das progressive Lager und endet mit dem Konsens, sich etwas ja nicht angucken zu müssen, oder die Entscheidung nach Kunst irgendeiner Ordnungsbehörde zu überlassen (damit meine ich die Rede von persönlicher Freiheit, Gefühlsverletzung, dem Grundgesetz, das Böhmermanngewäsch). Ich habe in meiner Anfangszeit hier im BFF bereits darauf hingewiesen, dass aber Kunst nicht die Summe von Produkten ist, die nach einer Gefühls- oder Geschmacksformel erzeugt werden (und damit gefällig, verkaufbar, "schön", oder irgendwie herzerwärmend sind) sondern Kunst ein Fachdiskurs ist.
Dass da Leute beleidigt waren, weil ich ihnen vermeintlich ihr Spielzeug wegnehmen wollte oder ihr Ego gekränkt war, ändert nicht die Faktenlage und letztlich ist es egal, ob ich hier darauf hinweise oder in China der gute alte Sack Reis umkippt. Mir wurde gesagt, dass ich kein Recht hätte, "darüber zu urteilen", was nun Kunst sei und was richtig oder falsch sei, weil ich a)selber keine Antwort hätte und b) jeder ein Recht auf freie Meinungsäußerung habe. Damit hatten die Hater recht - ich habe keine Antwort und die Gedanken sind frei. Aber: Kunst ist ein Fachdiskurs. Fachdiskurse sind sowas wie die Frage innerhalb der Physik, ob nun Quarks oder Quanten die kleineren Teile sind. Im Falle der Kunst ist das Fach die Menschheit und die Frage "Ja oder Nein?".
Dieser Diskurs läuft nun mehr oder weniger lückenhaft seit etwa 5000 Jahren und definiert die Grenze dessen, was die Menschheit in verschiedenen Phasen, verschiedenen Orten, in verschiedenen Ordnungen als Teile der menschlichen Welt anerkennen wollen, und was nicht. Es ist ein schizophrener Diskurs, denn diejenigen, die die Argumente vorbringen (das sind Kunstwerke) müssen sich selbst antrainieren, den eigenen Stand der Kenntnis dieses Diskurses ignorieren zu können (um Künstler sein zu können) diskutieren nicht mit. Stattdessen sind da Leute, die sich selber antrainieren müssen, immun gegen die Wirkungen dieser Argumente zu sein, die dann anhand der vergangenheitlich vorgebrachten Argumente und den Beobachtungen zur Entwicklung der Welt ausprobieren, versuchen, letztlich entscheiden, ob ein Argument taugt und setzen dieses dann anderen vor, um mit ihnen darüber zu reden, wenn es taugt, was es taugt. Das geht endlos so weiter und leider ist dieses Feld äußerst unübersichtlich, ist abhängig von tiefem Wissen über Geschichte, Philosophie, Politik und anderer Felder und gleichzeitig gespickt mit Ablenkungen und falschen Freunden wie eben Gesetzen (die ja nur ihr Bestes tun), einem Kunstmarkt, der kein Interesse an Kunst hat, sondern am Markt und zB Medien, die ihren Teil tun, die Verwirrung komplett zu machen, weil sie entweder unredlich oder inkompetent sind (wer ist das auch nicht vor dem Hintergrund des Genannten?) Aber:
So funktioniert Kunst. Niemand versteht das. Nicht die Juristen, Philosophen, nicht einmal die Kunsttheorie-Professoren, die sich ihr ganzes Leben mit nichts anderem beschäftigen, und schon gar nicht ein Aussteller, ein Zeitungsmacher oder ein Baumschnibbler aus dem Internet. Das ist die Erkenntnis über ein Phänomen, das seit rund 5000 Jahren stattfindet, nachdem alle, die daran Spaß haben auf der Erde, gemeinsam jetzt aktuell rund 300 Jahre ununterbrochen darüber nachdenken, reden, Bücher schreiben, überprüfen, Daten erheben, neu nachdenken und so weiter. Kunst ist die undurchdringbare Komplexität der Reflektion des Menschen über sich selbst. Das ist (klar, runtergebrochen) das (bisherige) Ergebnis der Wissenschaft.
Das muss man anerkennen.
Wir sollten alle oîda ouk eidōs, wie damals der gute Sokrates san.
Anerkennen, dass es nicht so einfach und schon gar keine Geschmacksfrage ist. Wissen, dass wir nicht wissen.
Wenn man das nicht kann und nicht die notwendige Portion Demut, und damit die sehr wichtige, genannte Barmherzigkeit, auch sich selbst gegenüber, aufbringen kann, dann kann man eigentlich nur reden, ohne etwas zu sagen - und das kann man sich im Allgemeinen sparen.
Soll das heißen, dass jetzt niemand mehr über Gefallen und Nichtgefallen, verletzte Gefühle oder sogar mögliche Deutungen oder das eigene Verständnis eines (möglichen) Kunstwerks sprechen darf? Das Gegenteil ist der Fall! Genau darüber muss man sprechen, eben weil man ja über gar nichts anderes sprechen kann! Über das, was uns angeht, was Kunst mit uns macht, was davon jedem einzelnen gefällt und was nicht, und natürlich warum. Der Unterschied ist, dass man nach Einsicht der Tatsache, einfach keine Ahnung zu haben, die Freiheit gewinnt, unbeschwert und unbegrenzt über die Sache selbst zu sprechen, anstatt sich in Bedingungen, Politika oder Regelfragen oder Ansprüchen und Kränkungen zu verlieren, die doch eh nichts daran ändern, dass das Ding da steht und toll oder hässlich, langweilig, provokativ oder sonst etwas ist.
Was daraus dann entsteht, ist ein weiterer Diskurs, der viel wichtiger als die Frage nach der Kunst ist, auf den wir wirklich angewiesen sind. Als Gesellschaft UND als Individuen. Das ist dann die Kultur. Es ist die gleiche Debatte, die in der Kunst geführt wird: Wo ist innen, außen, was geht, warum, was nicht. Wie wollen wir miteinander leben? Nur hat diese Debatte nicht die Probleme, die ich oben für Kunst aufgezählt habe, nur ist Kultur nicht schizophren, sondern ganz und gar unmittelbar. Der Geschmack, das Denken, die Welt jedes Menschen ist nämlich das Ergebnis dieser Kultur. Dessen, was er bisher mitgenommen, gesehen, gehört hat, welches Gemisch aus eigenem, fremden, und kreativem Blick auf die Welt, welche Regeln, Verstöße, Wünsche, Ängste er mit in diese Diskussion einbringt. Allerdings kann man sich dort nur schlecht hinter gekränkten Gefühlen oder arrogantem Zynismus verstecken, weil man sich tatsächlich mit der Sache selbst auseinander setzen muss.... Und dann ist jeder gleich und jede Ansicht und jedes Gefühl ist gleich gültig und wertvoll!
Und darum ist Kultur auch neben den Gefühlen, die ja zum Glück hier in dieser Diskussion auf die richtige Art und Weise als wichtig eingestuft wurden, das einzige, was bei der Zusammenstellung der Summe täglicher Bemühungen zur Herstellung von Zivilisation hilft.

Lieben Gruß
Heinrich
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abardo
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Re: European Bonsai San Show 2019

Beitrag von abardo »

abardo hat geschrieben: 27.10.2019, 22:06 @Heike:
Heike_vG hat geschrieben: 25.10.2019, 08:32 Ich habe gerade eine Mail von meiner japanischen Kollegin und Freundin bekommen, sie schreibt, dass die Japaner entsetzt sind und sich tief verletzt fühlen. Sie schreibt:

"... Die Person, die das Atombombenbild verwendet hat, sollte in der Bonsai Art lesen, was Shinji gesagt hat."
Ich frag mich grad, wie ich das falsch verstehen kann.
Dann hat Shinji gar nichts zu dem Display gesagt ?
Und ihr berichtet in der BA gar nicht über das Display und die Reaktion der Japaner ?

Was hat dann die Erwähnung des Interviews mit der Entrüstung der Japaner in Bezug auf das Display mit dem Thread hier zu tun ?
Grüße, Frank
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HeikeV
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Re: European Bonsai San Show 2019

Beitrag von HeikeV »

abardo hat geschrieben: 28.10.2019, 11:41
Was hat dann die Erwähnung des Interviews mit der Entrüstung der Japaner in Bezug auf das Display mit dem Thread hier zu tun ?
Vielleicht solltest du es einfach mal lesen.

Was mich aber gerade richtig amüsiert: glaubst du wirklich die BA entsteht erst 2 Tage vor dem Auslieferungstermin?
Taten geht das Wort voraus,
Worten die Gedanken.
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abardo
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Re: European Bonsai San Show 2019

Beitrag von abardo »

Nö. Ich hatte es so verstanden, dass die BA Statements zu dem Display in einer der nächsten Ausgaben abdrucken will. Inklusive der Erwähnung der "Konsequenzen" für den Künstler. Habe die Sätze von Heike nun 4x gelesen und interpretiere es immer noch so.

Ok. Dem ist also wohl eher nicht so und das Interview mit Shinji hat weder etwas mit den eMails der japanischen Freundin zu tun noch mit irgendwelche weiteren offiziellen Infos. Somit wird dann auch in der BA nicht politisiert. Dann nehme ich meinen Wunsch zur journalistischen Ausgewogenheit (ist ja nur ein Wunsch gewesen) zurück. Ist ja dann nicht nötig.

@Heike: tut mir leid, dass ich es offensichtlich falsch ausgelegt habe.

Aber wie Heinrich das eben so gut erklärt hat:

Kreieren und ausstellen muss man alles können.
Das Kunstwerk zu diskuttieren und einzuordnen ist das Einzige, was wir machen können.
Ob man das ausstellen muss, kann man ja diskuttieren.
Obs beleidigend ist, sollte sich aus der Interpretation ergeben.
Wer sich beleidigt fühlt, mag das ja äussern. Kann man dann entsprechend der Interpretation des Kunstwerkes erklären, akzeptieren, mitfühlen, verstehen.

Einem Künstler wegen seiner Werke mit Konsequenzen drohen ? Ihm Schwierigkeiten bereiten ? Niemals.

Jemand hat mal Kunst wie folgt definiert:
- der Schaffende muss das Werk mit der Absicht produziert haben, dass es Kunst sein soll
- das Werk wird in einer Form präsentiert, die es als Kunst erkennen lässt
- das Werk wird als Kunst wahrgenommen
- das Werk hat ein Alleinstellungsmerkmal zu vergleichbaren Kunstwerken

Alle vier Punkte treffen wahrscheinlich auf das Display zu.

Aber leider nicht immer auf die ansonsten ausgestellten Bonsai.
Grüße, Frank
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Heike_vG
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Re: European Bonsai San Show 2019

Beitrag von Heike_vG »

abardo hat geschrieben: 28.10.2019, 11:41Dann hat Shinji gar nichts zu dem Display gesagt ?
In dem im September geführten Interview natürlich nicht, wie auch!
abardo hat geschrieben: 28.10.2019, 11:41Und ihr berichtet in der BA gar nicht über das Display und die Reaktion der Japaner ?
Die Zeitschrift erscheint alle zwei Monate, immer zu Anfang des ungeraden Monats. Druckereitermin für das Novemberheft war Mitte Oktober, da hat das Event in Saulieu gerade mal stattgefunden. Es ist technisch leider vollkommen unmöglich, dass schon was darüber geschrieben wird, bevor das Event stattgefunden hat und das besagte Display der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Jetzt beginnt die Arbeit für das Januarheft und auch wenn es im Großen und Ganzen durchgeplant ist und die Texte vom Übersetzer bereits vorliegen, muss über aktuelle Dinge, die wir z.B. im Magazinteil bringen wollen, noch gesprochen und darüber entschieden werden. Das erfolgt im Team.
abardo hat geschrieben: 28.10.2019, 11:41Was hat dann die Erwähnung des Interviews mit der Entrüstung der Japaner in Bezug auf das Display mit dem Thread hier zu tun ?
Heike_vG hat geschrieben: 27.10.2019, 13:22 Das Novemberheft ist bereits gedruckt, erscheint die Tage und das von mir erwähnte Suzuki-Interview ist bereits im September in Mailand geführt worden. Darin hat Shinji san neben persönlichen Dingen allgemein über das weltweite Phänomen Bonsai für Frieden und Freundschaft gesprochen. Darauf hat meine japanische Kollegin sich bezogen.
Das hat m.E. sehr wohl was damit zu tun, wie Bonsai den länderübergreifenden Umgang miteinander prägt bzw. prägen sollte.

LG, Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

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abardo
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Re: European Bonsai San Show 2019

Beitrag von abardo »

Heike_vG hat geschrieben: 28.10.2019, 12:10 Das hat m.E. sehr wohl was damit zu tun, wie Bonsai den länderübergreifenden Umgang miteinander prägt bzw. prägen sollte.
Der Inhalt dieses Interviews wurde in deinem ersten Post ja nicht beschrieben, daher konnte ich nur den Schluss ziehen, dass das Interview später veröffentlicht wird und direkt etwas damit zu tun hat.

War also eine unglückliche Verquickung. Nochmal: sorry.
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Andreas Ludwig
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Re: European Bonsai San Show 2019

Beitrag von Andreas Ludwig »

abardo hat geschrieben: 28.10.2019, 12:03Somit wird dann auch in der BA nicht politisiert. Dann nehme ich meinen Wunsch zur journalistischen Ausgewogenheit (ist ja nur ein Wunsch gewesen) zurück.
Deine verlangte Ausgewogenheit wäre mit der simplen Abbildung des Dings («hat stattgefunden») bereits erfüllt. Danach dürfte ausgiebig einseitig interpretiert und kommentiert werden, Wie im Feuilleton der FaZ, der SZ, der ZEIT oder der NZZ auch. Läuft unter «Freiheit der Meinungsäusserung» und nennt sich «Kommentar». Da wäre sogar die Frage, ob man solche Sachen in Zukunft zulassen will, völlig legitim – und du könntest einen Leserbrief schreiben, natürlich auch kommentierend.
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Re: European Bonsai San Show 2019

Beitrag von abardo »

Bonsai Empire hat noch ein ausführliches Video von Mauro's Bäumen in der "Special Exhibition" eingestellt

-> https://www.youtube.com/watch?v=UWF8iDZUsRY
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Re: European Bonsai San Show 2019

Beitrag von hwolf »

abardo hat geschrieben: 28.10.2019, 12:03 Aber wie Heinrich das eben so gut erklärt hat:

Kreieren und ausstellen muss man alles können.
Nein, habe ich nicht.
Du hast das vorher irgendwo gesagt.

Ich sage: Leute machen Sachen und Dinge stehen in Ausstellungen. Warum, wie und ob die das dürfen hat nichts mit Kunst zu tun.

LG
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Andreas Ludwig
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Re: European Bonsai San Show 2019

Beitrag von Andreas Ludwig »

Odoridori hat geschrieben: 28.10.2019, 09:27Ich gehe davon aus das es in Zukunft keine Bonsai Präsentationen auf großen Ausstellungen geben wird, die Politisch, Religiös oder sonstwie motiviert sind.
Nur das noch, sonst geht es total schief: Das Wort «sonstwie» ist dir ihr wahrscheinlich bloss reingerutscht. Jeder Bonsai ist irgendwie motiviert, sonst wäre er gar nicht erst entstanden. Auch die andern Kriterien sind etwas problematisch: Wenn ich politische Äusserungen a priori unterbinde, ist das extrem politisch und die (manchmal irrtümliche) Verquickung religiöser asiatischer Symbole in der europäischen Bnsaiszene haben wir auch schon gelegentlich erwähnt, Stichwort Buddhakopf. Ich als Schweizer würde wohl eine Jury einsetzen, die Exponate annehmen oder ablehnen kann und mich dann ihren Verdikten, wenn auch hie und stirnrunzelnd beugen – oder bei Bedarf die Absetzung der Jury verlangen, eine Gegenveranstaltung organisieren. Im Grundsatz, vorauseilend, kann man solche Fragen eben nicht lösen, man muss sie andauernd, fortwährend, unverdrossen diskutieren. Das nennt man «Meinungsbildung».
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Re: European Bonsai San Show 2019

Beitrag von Odoridori »

Hallo Andreas,

ich hatte ja schon ganz am Anfang geschrieben:
Das die Japanische Kunst Bonsai, die für eine friedliche Völkerverbindung steht
nichts mit Politik, Krieg und Leid und Religiösen Fanatismus zu tun hat und zu tun haben will.
und ich denke in diese Richtung werden auch die Antworten von Shinji Suzuki san gehen und ist ganz
im Sinne von dem verstorbenen Hr. Saburo Kato, dem ehemaligen Präsidenten der Nippon Bonsai Assoc.
Bonsai soll weltweit Freundschaften schließen und verbinden. Mehr muss man dazu nicht schreiben.

Viele Grüße
Holger
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Re: European Bonsai San Show 2019

Beitrag von Andreas Ludwig »

Holger – du hast (stur eristisch betrachtet) die (im Alltagsgebrauch) eingegrenzten Begriffe «Politik, Krieg, Leid, Fanatismus» ad absurdum geführt und jede religiöse, politische oder sonstwelche Motivation draufgepackt. Das geht mir zu weit. Das ist für mich eine unzulässige, weil ausufernde Interpretation. Dir muss ich nicht sagen, was «politeia» ursprünglich bedeutet und noch weniger, wie problematisch dieses Werk von Platon dann eben ist. Aber all das ist eben jeden Tag zu diskutieren, auch wenn es manchmal etwas weh tut.

Immerhin – wäre ich in der Jury gewesen, ich hätte den Aussteller im persönlichen Gespräch gebeten, diese unnötige und unverständliche Provokation zu überdenken. Hätte er darauf bestanden, hätte ich mit den Schultern gezuckt (und mich distanziert davon). Jeder darf ausstellen, was er grad lustig ist. Fliegt es ihm dann aber um die Ohren, hat er sich nicht zu beklagen, das sei jetzt nicht mehr lustig. Dieses Ding hat nur Ärger gemacht. Wer findet, das sei Kunst, hat eine für mich kindliche Auffassung von Kunst. That's it. :wink:
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Re: European Bonsai San Show 2019

Beitrag von Berndbonsai »

Hallo Alle
Als vermutlich einer der wenigen die hier schreiben, der das Werk auf der Ausstellung gesehen hat möchte ich nun auf meinen Senf zur Diskussion reichen:
1. Ich empfand das WErk als belanglos und als ich letztes Jahr einen Baum in diesem Stil gesehen habe fand ich das ganz interessant. Nun drei Bäume von dem Künstler auszustellen die alle in diesem Stil gemacht sind ....... Naja kennste einen kennste alle. Meine Gefühle hat Er nicht bewegt. Dass Er in Japan jemand damit verletzt habe ich nicht gedacht und war mir nicht bewußt. Schade aber wohl nicht mehr zu ändern.
2. Ist irgendjemand die Reaktion des Herrn Darrieux auf die japanische Verletzheit bekannt? Und wie hat Er darauf regiert.
Das fände ich interessant.
Gruß Bernd
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European Bonsai San Show 2019

Beitrag von Odoridori »

Andreas,

genau das soll aus Bonsai rausgehalten werden, denn das sind Themen, die nicht verbinden sondern eher trennend sind.

Es geht bei Bonsai um Bonsai, um die Perfektion der Gestaltung, um die Schönheit und Einzigartigkeit des Baumes,
um den Einklang Baum Schale um eine gelungene Präsentation die der Jahreszeit entspricht und darüber soll man diskutieren
und Freunde weltweit finden.

Niemand hat gesagt das ein Künstler nicht das Recht hat eine Installation mit Bonsai zu machen und auszustellen.
Das hat Wolf Schudde doch schon in den 90ziger Jahren gemacht. Das ganze aber in einer Vernissage, oder einer
Kunstausstellung, aber eben nicht im Rahmen einer rein traditionellen Bonsaiausstellung wie die San-Show.


Hallo Bernd,

ich finde seinen Stil mit den Korkenzieher Windungen auch nicht ansprechend, als ich dann noch
die Plastikmännchen gesehen habe, war es schon vorbei und es ging zum nächsten Bild,
also mir ging es genauso wie Dir.

Viele Grüße
Holger
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Re: European Bonsai San Show 2019 - Abirrung

Beitrag von Andreas Ludwig »

Odoridori hat geschrieben: 28.10.2019, 19:11genau das soll aus Bonsai rausgehalten werden, denn das sind Themen, die nicht verbinden sondern eher trennend sind.
«Deine Zauber binden wieder, was der Mode Schwert getheilt...» Ich wehre mich dagegen, dass wir Wohlfühlinseln basteln, auf denen wir uns vermeintlich gegen die Boshaftigkeit und Tücke der Welt abkapseln können. Können wir nicht. Wir sind drin, immer. Wenden wir uns davon ab, beziehen wir uns dennoch darauf. Sind wir dezidiert nicht dabei, sind wir auch nur Teil davon, einfach der Gegenpart. Wir sind immer Teil des Ganzen. Da kommen wir nicht drum rum. Trennendes einfach auszulassen bedeutet, es erst recht zu bestätigen. Überwinden wäre sinnvoller.

So – und jetzt geht der Idealist ein Bier trinken. Mit Menschen, die ganz andere Ansichten haben als er, die er manchmal tadeln muss, wenn sie überborden. Er tut es aber, weil es seine Welt ist. Er hat nur die.
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